05.08.2020

Bei der Rettung von Unfallopfern zählt jede Minute. Doch häufig kommen die Rettungskräfte nicht schnell genug an die Unfallstelle, weil Fahrer im Stau die Rettungsgasse zu spät oder gar nicht bilden. Was Fahrer tun können, damit im Notfall keine Zeit verloren geht – und was vor allem in Autobahnbaustellen zu beachten ist, wissen die Dekra-Unfallforscher.

„Viele Autofahrer bilden die Rettungsgasse erst dann, wenn sich Rettungsfahrzeuge von hinten nähern. Das ist aber zu spät“, sagt Dekra-Unfallforscher Markus Egelhaaf. „Stattdessen muss man schon dann eine Gasse freihalten, sobald Fahrzeuge Schritt fahren oder zum Stand kommen. Wird die Gasse erst bei stehendem Verkehr gebildet, geht durch Rangieren und fehlenden Platz oft viel Zeit verloren.“

Besonders schwierig sind für die Rettungskräfte Staus in zweistreifigen Autobahn-Baustellen. „Hier kommen die Einsatzkräfte häufig nicht weiter“, sagt Egelhaaf. „Deshalb müssen Autofahrer an den Engstellen auf zwei Punkte achten: Zum einen auch hier so weit wie möglich nach links oder rechts an den Rand fahren. Zweitens aber möglichst große Lücken lassen, damit genug Rangiermöglichkeit besteht und sich noch ein Einsatzfahrzeug durchschlängeln kann. Dies gilt insbesondere auch für Fahrer von LKW.“

Wichtig ist auch die Regel: Sobald sich ein Stau anbahnt, immer etwas mehr Abstand halten, empfiehlt Unfallforscher Egelhaaf. „Kommt es zum Stillstand, können die Fahrer so leichter zur Seite fahren, als wenn alles dicht an dicht steht.“ Dann ist es auch leichter, größeren Fahrzeugen Platz zu machen.

Immer wieder wird die Rettungsgasse auch zu früh aufgelöst. „Autofahrer müssen bedenken, dass nach Passieren eines ersten Einsatzfahrzeuges jederzeit weitere Fahrzeuge folgen können. Die Rettungsgasse muss deshalb so lange aufrechterhalten werden, bis der Verkehr wieder rollt.“ Durch die Bildung einer effektiven Rettungsgasse handeln Autofahrer schließlich auch im eigenen Interesse: Je schneller die Einsatzkräfte und auch der Abschleppdienst an die Unfallstelle gelangen, desto schneller kann die Fahrbahn geräumt und für den Verkehr freigegeben werden.

Seit Inkrafttreten der neuen Regelungen in der Straßenverkehrsordnung Ende April 2020 muss mit Geldbußen bis zu 320 Euro, Fahrverbot und Punkten rechnen, wer keine Rettungsgasse bildet, Einsatzkräfte behindert oder unerlaubt die Rettungsgasse nutzt. Schon das Nichtbilden einer Rettungsgasse, ohne Behinderung oder Gefährdung, kann mit einem Fahrverbot von einem Monat und zusätzlich 200 Euro Bußgeld sowie zwei Punkten im Fahreignungsregister geahndet werden. Für das unerlaubte Nutzen einer Rettungsgasse werden mindestens 240 Euro Bußgeld sowie ebenfalls ein Monat Fahrverbot und zwei Punkte fällig. Für Fahrer, die eine Rettungsgasse absichtlich blockieren oder Unfallhelfer behindern, kann es sogar strafrechtlichen Konsequenzen bis hin zur Freiheitsstrafe geben.

Eine Rettungsgasse muss man immer dann bilden, wenn auf Autobahnen oder mehrstreifigen Außerortsstraßen die Fahrzeuge mit Schrittgeschwindigkeit fahren oder sich im Stillstand befinden, so sagt es die Straßenverkehrs-Ordnung (§ 11.2). Wer auf dem Fahrstreifen ganz links fährt, muss möglichst weit nach links ausweichen. Die Fahrer auf den Streifen rechts davon lenken ihr Fahrzeug so weit wie möglich nach rechts. Leicht merken kann man sich dies mit einem Blick auf den rechten Handrücken: die Lücke zwischen dem Daumen und den übrigen Fingern zeigt die Position der Rettungsgasse an.