Starkregen, Gewitter und Dauerregen sorgten in diesem Sommer häufiger als sonst für gefährliche Bedingungen auf Deutschlands Straßen. Und auch der kommende Herbst und Winter sind erfahrungsgemäß eher regenreich. Das bedeutet im Detail: Die Bodenhaftung nimmt auf der nassen Fahrbahn deutlich ab, die Bremswege werden länger und die Sicht ist beeinträchtigt.


„Niederschläge erhöhen die Gefahr von Aquaplaning, auch Wasserglätte genannt“, erklärt Frank Schneider, Experte für Fahrzeugtechnik beim TÜV-Verband. Doch wie genau kommt es zu Aquaplaning? „Wenn das Oberflächenwasser auf der Fahrbahn durch die Reifen nicht mehr ausreichend verdrängt werden kann, bildet sich zwischen den Reifen und der Straße eine Wasserschicht und die Fahrzeuge verlieren die Bodenhaftung“, erläutert Schneider. „Die Reifen drehen durch und das Fahrzeug reagiert nicht mehr auf Lenken, Bremsen oder Beschleunigen.“ Eine für viele AutofahrerInnen beängstigende Erfahrung und oftmals die Ursache für Unfälle bei nassem Wetter. Viel Oberflächenwasser, hohe Geschwindigkeit und schlechter Reifenzustand erhöhen das Aquaplaning-Risiko erheblich. AutofahrerInnen sollten daher auf einen guten Reifenzustand achten und bei nassem Wetter besonnen fahren. Der TÜV-Verband hat zusammengefasst, wie sie sich FahrerInnen bei Wasserglätte verhalten sollten.

1. Aquaplaning erkennen

„Entgegen der landläufigen Vorstellung kann Aquaplaning nicht nur bei sintflutartigem Regen auftreten, sondern auch, wenn Schauer oder Gewitter bereits abgezogen sind“, sagt Schneider. Gefährlich werde es immer dann, wenn stehendes Wasser zu sehen ist. Verstärkt wird das Risiko durch Spurrillen oder andere Unebenheiten in der Straßendecke, da sich dann leichter tiefe Pfützen oder Wasserflächen bilden können. Etwa ab einer Wassertiefe von 2,5 mm kann es beim Überfahren zu Wasserglätte kommen. Aquaplaning erkennen Autofahrer:innen, wenn der Motor des Fahrzeugs plötzlich lauter oder die Lenkung leichter wird.

2. Besonnen auf Aquaplaning reagieren

Wenn ein Fahrzeug auf nasser Fahrbahn in Aquaplaning gerät, sollte man hektische Fahrmanöver vermeiden und Ruhe bewahren.

2.1. Fuß vom Gas und von der Bremse

Bei Aquaplaning sollten Fahrer:innen sofort den Fuß vom Gaspedal nehmen und die Kupplung durchtreten. Bremsen sollten Fahrer:innen vermeiden, denn das kann dazu führen, dass das Fahrzeug völlig außer Kontrolle gerät.

2.2. Nicht Lenken

Das Lenkrad gerade halten und keine abrupten Fahrmanöver vornehmen. Sobald die Reifen wieder Bodenhaftung haben und das Fahrzeug aus der Aquaplaning-Situation herausgefahren ist, können Fahrer:innen mit geringer Geschwindigkeit und vorsichtigen Lenkbewegungen weiterfahren.

3. Im Notfall Vollbremsung

Um einen schweren Unfall oder einen harten Zusammenstoß zu vermeiden, können AutofahrerInnen vollbremsen. Die Hinterreifen haben in vielen Fällen noch genug Bodenhaftung und das Fahrzeug kommt zum Stehen. Bei dichtem Verkehr sollte eine Vollbremsung eine Notlösung bleiben.

4. Durchatmen und beruhigen

Gefahrensituationen bedeuten Stress. Haben AutofahrerInnen die brenzlige Situation sicher überstanden, sollten sie beim nächsten Park- oder Rastplatz anhalten und sich einige Minuten Zeit nehmen, um sich von dem Erlebnis zu erholen.

5. Reaktion trainieren und Fahrverhalten anpassen

Das richtige Fahrverhalten bei Aquaplaning kann trainiert werden. Auf einem abgesperrten Gelände bieten zum Beispiel Automobilclubs oder die TÜV-Akademien Übungseinheiten an, um sich mit solchen Fahrsituationen vertraut zu machen und angemessen zu reagieren. Schneider: „Fahrsicherheitstrainings sind eine gute Gelegenheit, sein Fahrzeug in kritischen Situationen wie Aquaplaning kennen zu lernen und die Grenzen der Physik ohne Sorge vor einem Unfall zu erfahren.“

Aquaplaning kann bereits bei Geschwindigkeiten ab 50 km/h auftreten. Daher sollten FahrerInnen auf Landstraßen und Autobahnen ihre Geschwindigkeit verringern, sobald es anfängt zu regnen. Auch plötzliches Beschleunigen, zum Beispiel beim Überholen, erhöht das Risiko von Aquaplaning.

6. Auf optimalen Reifenzustand achten

Die Reifen sind der einzige Teil des Fahrzeugs, der mit der Fahrbahn in Berührung kommt. Umso wichtiger ist es, dass die Reifen in gutem Zustand sind. „Reifen brauchen ein gutes Profil und zusätzliche Rillen, um das Wasser von der Unterseite des Reifens abzuleiten und den Kontakt zur Straße zu halten“, sagt Schneider. Die zunehmende Abnutzung des Reifenprofils verringert die Fähigkeit der Reifen, das Wasser auf der Straße effizient abzuleiten. Auch den Reifendruck sollten AutofahrerInnen regelmäßig überprüfen und korrigieren. Wenn der Reifendruck 30 Prozent unter dem empfohlenen Wert liegt, steigt das Aquaplaning-Risiko stark an.