Der Führerschein ist das höchste Gut des autovernarrten Deutschen – dessen Verlust oder auch nur ein Fahrverbot sind für viele mehr als ärgerlich. Seit Anfang des Jahres können sich Auto-Fahrer mit einer Führerschein-Versicherung schützen.

Der Führerschein bleibt zwar erstmal weg und auch das Bußgeld bleibt unter Umständen schmerzhaft, allerdings ist die individuelle Mobilität gesichert. Denn: Alternative Transport- und Beförderungsmittel werden im Versicherungsfall übernommen, um im Ernstfall Einkommenseinbußen oder Arbeitsplatzverlust zu verhindern.
Warum es dieses Modell erst kürzlich auf den deutschen Markt geschafft hat und für wen sich die Versicherung lohnt, erklärt Versicherungsexperte Thomas Schrader im nachfolgenden Interview.

Autobahn-Guide: Für wen lohnt sich die Führerscheinversicherung?

Thomas Schrader: Mit dem neuen Angebot sollen die weitreichenden wirtschaftlichen Folgen eines Fahrverbots zukünftig abgemildert werden, denn: Für manchen Autofahrer kann selbst ein temporäres Fahrverbot aufgrund kleinerer Verstöße von ein bis drei Monaten bereits berufsexistentielle Bedeutung haben.
Dies gilt insbesondere für Berufskraftfahrer, Handelsvertreter, Kuriere und ähnliche Berufsgruppen, die auf individuelle Fortbewegung angewiesen sind. Zwangsurlaub oder Arbeitsplatzgefährdung sowie entsprechende Einkommenseinbußen gefährden schnell die wirtschaftliche Existenz und führen gegebenenfalls zum privaten finanziellen Kollaps. Die Führerschein-Versicherung lohnt sich also insbesondere für Menschen, die auf eine individuelle Fortbewegung angewiesen sind.
Gleichzeitig ist sie auch für Taxi-Unternehmen interessant, die Berufsfahrer beschäftigen, da im Versicherungsfall auch der Arbeitgeber durch die Police geschützt wird. Denn: Auf Grundlage des Versicherungsschutzes, kann für den Zeitraum des Fahrverbots auf einen selbständigen Fahrer mit Personenbeförderungserlaubnis zurückgegriffen werden. So ergeben sich weder für den betroffenen Fahrer noch seinen Arbeitgeber weitergehende Einschränkungen.

Autobahn-Guide: Was genau ist versichert?

Thomas Schrader: Die Führerschein-Versicherung übernimmt für den Fall eines temporären Fahrverbots die Kosten für alternative Transport- und Beförderungsmittel und verhindert so, dass die negativen Folgen voll ins Gewicht fallen. Wirtschaftliche Einbußen im Falle eines Fahrverbots werden getragen, soweit eine der häufigen typischen Ordnungswidrigkeiten vorliegt. Im Leistungsfall werden dann Aufwendungen anlässlich der Nutzung alternativer Transportmittel wie Taxi, Bahn oder Bus bis zu 10.000 Euro bei einer Jahresprämie von 300 Euro erstattet. Selbst die Aufwendungen für den Einsatz des Ehepartners werden im bedingungsgemäßen Rahmen bei Nutzung des eigenen Fahrzeugs übernommen, sofern ein Ausweichen auf öffentliche Verkehrsmittel situationsbedingt nicht in Frage kommt. Schließlich erfolgt auf Wunsch auch eine fachanwaltliche Vorprüfung auf Erfolg eines Rechtsmittels.

Versichert sind im Einzelnen:

• Geschwindigkeitsüberschreitung
• zu dichtes Auffahren / ungenügender Abstand
• Rote Ampel überfahren
• Alkohol bis zu einem Promillewert von 1,09 Promille
• Smartphone-Nutzung (ohne Unfall-Folgen)
• Vorfahrtverletzung, vorschriftwidriges Verhalten beim Ausweichen
• Überholen und Begegnen
• vorschriftwidriges Verhalten beim Abbiegen, Wenden und bei falscher Fahrbahnbenutzung
• sowie eine Reihe weiterer unter das Ordnungswidrigkeitengesetz (OWIG) fallende Tatbestände

 Autobahn-Guide: Und umgekehrt, verraten Sie uns, was nicht versichert ist?

Thomas Schrader: Wichtig zu betonen ist, dass Bußgelder nicht Gegenstand der Versicherung sind. Denn der erzieherische Effekt eines Fahrverbots wird durch das Modell Führerschein-Versicherung nicht geschmälert, es werden lediglich wirtschaftliche Alltags-Folgen abgefedert. Vergehen, die auf rücksichtsloser Fahrweise beruhen, sind vom Versicherungsschutz ausgenommen. Verstöße wie vorsätzliches Drängeln oder Ausbremsen sind demnach nicht vom Schutz erfasst. Unter den Ausschluss fallen zudem Fahren unter Alkoholeinfluss, ab einem Promillewert von 1,1, Fahren unter Einfluss von Drogen, Unfallflucht oder Tatbestände, die den vollständigen Entzug der Fahrerlaubnis zur Folge haben.

Ausgenommen sind im Einzelnen:

• Vergehen, die auf rücksichtloses Autofahren (die u.a. den Tatbestand der Nötigung erfüllen), zurückzuführen sind
• Vorfälle im Zusammenhang mit Tatbeständen wie Alkohol ab einem Promillewert von 1,1 Promille
• Fahren unter Einfluss von Drogen
• Unfallflucht
• Tatbestände, die den vollständigen Entzug der Fahrerlaubnis zur Folge haben Führerscheininhaber, die bereits mehr als drei Punkte in Flensburg haben

Autobahn-Guide: Was kostest die Versicherung? Gibt es verschiedene Preismodelle?

Thomas Schrader: Die Führerschein-Versicherung kostet 25 Euro im Monat und versichert damit ein bis zu dreimonatiges Fahrverbot mit bis zu 10.000 Euro. Darüber hinaus befinden sich weitere Preismodelle in der Entwicklung.

Weitere Infos zur Führerschein-Versicherung gibt es unter www.verias24.de.