Der Herbst steht vor der Tür und damit steigt die Gefahr eines Wildunfalls. Es passiert vor allem in der Dämmerung: Plötzlich steht ein Wildtier vor dem Auto auf der Straße. Das ist eine sehr gefährliche Situation, die oft in einer Kollision endet. Im Herbst nimmt das Risiko solcher Wildunfälle wieder zu, warnt die GTÜ Gesellschaft für Technische Überwachung mbH.

Zum einen wird es später hell als im Sommer, und zum anderen wechseln Wildtiere häufiger ihre Futterplätze.

Mit vorausschauender Fahrweise lässt sich das Risiko aber senken, betont die Prüforganisation. Dazu zählen vor allem eine angepasste Geschwindigkeit in Gebieten mit Wäldern und dicht bewachsenen Feldern. Oft sind bekannte Gefahrenzonen mit einem entsprechenden Warnschild gekennzeichnet – hier sollte man gerade in der Dunkelheit sowie in der Dämmerung am Morgen und Abend besonders vorsichtig sein. Denn nur rund 25 Prozent aller Wildunfälle geschehen am Tag. Ein erhöhtes Risiko besteht neben den Herbstmonaten auch in der Zeit von April bis Mai.

Rund 250.000 Wildunfälle gibt es nach Angaben des Deutschen Jagdverbands (DJV) jedes Jahr in der Bundesrepublik Deutschland. Mit Abstand die meisten davon verursachen Rehe – fast 200.000 solcher Kollisionen im Jahr führt der DJV in seiner jüngsten Statistik auf, Schwerpunkt ist in Nordrhein-Westfalen. Unfälle mit Wildschweinen gibt es gut 30.000 Mal im Jahr, hier liegt Hessen bei den Fallzahlen an der Spitze. Nur vergleichsweise selten kommt es in Deutschland zu Wildunfällen mit Damwild (gut 4.500 Mal im Jahr) und Rotwild (gut 3.000 Mal jährlich). Dieses Bild bestätigt auch das sogenannte Tierfundkataster des Verbands, dessen Ergebnisse für die Zeit von April 2018 bis Februar 2021 der DJV in diesem Jahr präsentiert hat. Hier machen Rehe rund 50 Prozent aller Fälle aus, gefolgt von Hasen, Füchsen und Wildschweinen.

Der Gesamtverband der Deutschen Versicherungswirtschaft (GDV) geht von einer noch höheren Zahl aus. Für 2019 nennt er fast 300.000 Unfälle mit Wildtieren im Straßenverkehr, welche den Kaskoversicherungen gemeldet wurden – das entspricht im Jahresdurchschnitt etwa 800 Unfällen am Tag. Die Kosten für die deutschen Autoversicherer lagen 2019 bei rund 885 Millionen Euro – 17 Prozent mehr als noch 2018 und durchschnittlich knapp 3.000 Euro je Unfall. Meist war dabei der Austausch von Karosserieteilen notwendig. Ein wichtiger Tipp der GTÜ: Wer bei der Einschätzung der Schadenshöhe auf der sicheren Seite sein möchte, kann sich für ein Gutachten an die Sachverständigen der Prüforganisation wenden.

Bei einem Zusammenstoß mit Wildtieren ersetzt die Teilkaskoversicherung die Schäden am Fahrzeug, wenn es sich um Haarwild wie Rehe, Wildschweine, Hirsche, Füchse oder Hasen handelt. Einige Versicherungen bieten auch Schutz für Unfälle mit sämtlichen Tieren an – also auch mit Federwild und mit Haustieren. Hier sind die jeweiligen Vertragsdetails entscheidend.

Die richtige Verhaltensweise bei einer Begegnung mit Wildtieren im Straßenverkehr: Erkennt man ein Wildtier seitlich der Straße im Scheinwerferlicht, sollte das Tempo sofort weiter reduziert werden. Denn häufig sind die Tiere im Verband unterwegs – auch auf Nachzügler ist zu achten. Befinden sich Tiere auf der Straße, sollte man kein Ausweichmanöver versuchen, sondern voll bremsen und dabei in der Spur bleiben. Hupen und gegebenenfalls Abblenden kann helfen, das Tier zur Flucht zu bewegen.

Kommt es doch zu einem Unfall, müssen Kraftfahrer eine Reihe von Regeln beachten. Am Fahrzeug wird die Warnblinkanlage eingeschaltet, dann sichert der Autofahrer mit angelegter Warnweste die Unfallstelle mit dem Warndreieck ab. Bei verletzten Personen im Auto wird über die Rufnummer 112 der Rettungsdienst alarmiert, gleichzeitig werden Erste-Hilfe-Maßnahmen eingeleitet. Grundsätzlich soll bei Wildunfällen die Polizei informiert werden. Sie meldet den Unfall auch dem zuständigen Jäger, Jagdpächter oder Förster. Für die Versicherung sollten sich Autofahrer von diesen eine Wildunfallbescheinigung ausstellen lassen, rät der Deutsche Jagdverband.

Es gibt Anstrengungen, Wildtiere vor Unfällen mit Kraftfahrzeugen zu schützen. Experten setzen hier zum Beispiel auf zeitlich begrenzte Geschwindigkeitsbegrenzungen oder auf Warn-Apps. Schutzzäune gelten zwar als effektiv, sind aber aufwendig und sollten im Idealfall mit Grünbrücken für die Vernetzung von Lebensräumen verbunden sein.

Die seit rund als 50 Jahren eingesetzten Wildwarnreflektoren am Straßenrand hingegen haben keine messbare Wirkung. Das haben zwei Forschungsprojekte der Forstlichen Versuchs- und Forschungsanstalt Baden-Württemberg (FVA) ergeben. Allerdings werden nach einem Unfall von der Polizei häufig optisch auffallende Wildunfallzeichen (WUZ) verwendet, um die Unfallstelle zu kennzeichnen. Das erleichtert es dem Jäger anschließend, das verletzte Wild möglichst schnell zu finden. Solche WUZ können die Form rückleuchtender Pfähle oder reflektierender Bänder haben.